Literatur und Theater rund um das Thema Rauch gab es in der «Bar»
Mit einem Happening hat die «Bar» in der Gustavstraße dem Nichtraucherschutzgesetz für einen Tag ein Schnippchen geschlagen: Wirt Bernd Hausner erklärte seine Gaststätte zur Bühne für die Aufführung des Laientheaterstücks «Verlorene Zeiten». Das Leben in einer «stink»-normalen Raucherkneipe sollten dort die Gäste originalgetreu nachspielen. Literarische Beiträge von Veit Bronnenmeyer und Elmar Tannert rund um den Qualm rundeten die Aktion ab.
Blauer Dunst zum Schneiden dick – ach, was waren das für sorglose Zeiten vor dem unheilvollen 1. 1. 2008, als man als Raucher noch auf Teufel komm raus die Kneipen genüsslich einnebeln durfte. Deshalb erklärte sich Wirt und Raucher Bernd Hausner auch gleich bereit, die Anregung von ViF (Verloren in Fürth) zum Theaterstück aufzugreifen und mit allen Sinnen in Erinnerungen an die guten alten Zeiten «vor dem staatlichen Eingriff» zu schwelgen. «Eine einmalige Aktion allerdings», wie Hausner, für diesen einen Tag auch Intendant, betonte.
Und die Gäste kamen zahlreich. Jeder war dabei sein eigener Regisseur, spielte sich selbst als «Nachbar beim Luftschnappen» oder «rauchendes Passivraucheropfer» und kam dabei ins Gespräch. Diese kommunikativen Auswirkungen des Happenings freuten dabei den Wirt besonders. Mindestens genauso freute er sich aber unter Hinweis auf Art. 5, Nr. 3 «Gesundheitsschutzgesetz» über die Raucherlaubnis im Rahmen der Kunstfreiheit.
Literarische Häppchen
Damit auch jeder Zweifel an der Ernsthaftigkeit dieser Kunst bereits «im Qualm» erstickt wurde, gab es noch literarische Häppchen der «Fürther Freiheit»-Autoren Veit Bronnenmeyer und Elmar Tannert, die dankbar die Rolle der rauchenden Schriftsteller in diesem Theaterstück übernommen hatten. Tannert raucht seit rund 30 Jahren und verriet, seine literarischen Erzeugnisse immer von Hand zu Papier zu bringen. Der Grund ist klar: mit der anderen hält er den Glimmstängel.
Zum Einstieg gab er die Hymne aller Qualmer zum Besten, das «bayerische Tabakraucherlied». Anschließend gab er mit einem großen Schuss Ironie einige Anregungen, wie das Thema Tabakgenuss im Schulunterricht einfließen könnte: Beispiel Geschichte – Dr. G. fragt, «Wollt ihr das totale Rauchverbot?», Beispiel Mathematik – rein rechnerisch kann man es beim Verzicht auf Nikotin auf 125 Jahre bringen.
Veit Bronnenmeyer berichtete unter dem Titel «Fumare» über ein Ferienerlebnis in Italien. Neben eigenen Texten hatte er auch eine Passage aus Christopher Buckleys «Danke, dass Sie hier rauchen» mitgebracht. Beim Tod einer Nichtraucherin an Kehlkopfkrebs entfährt dem Protagonisten der Ruf, dies sei der Beweis dafür, dass es Gott gibt. Begeisterter Applaus aller Nikotin-Junkies.